Gestärkte Frauen für eine Gestärkte (Arbeits)Welt
Wie kann eine gesunde (Arbeits)welt aussehen, in der die Hälfte der Menschheit über Jahrzehnte nicht mitgedacht wurde? Wie können körperliche Belastungen und die daraus resultierenden Stressoren aufgefangen werden, die bisher nicht zu Genüge erforscht sind? Und wie kann unbezahlte Care Arbeit fair behandelt sowie gesellschaftlich, gesundheitlich und ökonomisch berücksichtig werden? Wie können Ressourcen gestärkt werden, um Frauen zu empowern?
Diese Fragen stehen im Zentrum jeder Auseinandersetzung mit dem Thema Frauengesundheit – auch und gerade im beruflichen Kontext. Trotz aller Fortschritte im Bereich der Gleichberechtigung bestehen nach wie vor zahlreiche Dysbalancen – sogenannte „Gaps” – zwischen den Geschlechtern, die sich unmittelbar auf die mentale und körperliche Gesundheit sowie die Leistungsfähigkeit und berufliche Teilhabe von Frauen auswirken.
Die verschiedenen gaps
Gender Pay Gap
In Deutschland verdienen Frauen laut Statistischem Bundesamt18 % weniger als Männer – bei gleichwertiger Tätigkeit sind es noch immer 7 %⁵. Das hat Folgen:
- Geringeres Einkommen bedeutet oft schlechteren Zugang zu Gesundheitsversorgung, Prävention und privater Absicherung.
- Finanzielle Unsicherheit erhöht nachweislich das Risiko für chronischen Stress und psychische Erkrankungen.
- Finanzielle Abhängigkeiten können zu einem zusätzlichen Belastungsfaktor für die eigene Gesundheit werden.
Gender Care Gap
Frauen leisten in Deutschland laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend rund 43 % mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer – von Kinderbetreuung über tagtägliche Hausarbeit bis hin zur Pflege Angehöriger⁶. Die Konsequenz:
- Erhöhtes Burnout-Risiko durch permanente Überlastung
- Karriereeinbußen durch Teilzeitmodelle oder Erwerbspausen
- Psychosoziale Belastung durch Doppelverantwortung
Für Frauen entstehen wirtschaftliche Nachteile, die sich negativ auf die ökomische Eigenständigkeit auswirken.
Gender Health Gap
In der medizinischen Forschung galten Männer jahrzehntelang als biologischer Standard. Bis heute basieren viele klinische Studien überwiegend auf männlichen Probanden. Die Folgen:
- Frauen erhalten häufiger Fehldiagnosen, etwa bei Herzinfarkten – Symptome unterscheiden sich hierbei zwischen den Geschlechtern deutlich.
- In Deutschland geben laut DAK-Gesundheitsreport 2023 rund 38 % der erwerbstätigen Frauen an, sich medizinisch nicht ausreichend ernst genommen zu fühlen².
Hormongesundheit mitdenken
Zyklusschwankungen, Endometriose oder Wechseljahre haben oft massive Auswirkungen auf Konzentration, Belastbarkeit und Wohlbefinden – doch die Arbeitswelt blendet hormonelle Einflüsse bisher leider in den meisten Fällen aus.
- Schätzungen zufolge leiden bis zu 10 % der Frauen weltweit an Endometriose, viele davon unerkannt³. Endometriose kann mit so starken Schmerzen einhergehen, dass die Betroffene mehrere Tage monatlich ausfällt oder nur sehr begrenzt leistungsfähig ist.
- Die WHO klassifiziert Menstruationsbeschwerden als eine der Hauptursachen für wiederkehrende Fehlzeiten bei jungen Frauen⁴.
Eine enttabuisierte, flexible Arbeitskultur könnte hier deutlich entlasten – für Betroffene und Teams.
Risiken für die Leistungsfähigkeit
- Frauen melden sich häufiger krank: Laut AOK-Gesundheitsreport 2023 liegt die durchschnittliche Zahl der Krankheitstage bei Frauen bei 15,7 Tagen pro Jahr, bei Männern bei 13,2 Tagen⁷.
- Burnout und psychische Erkrankungen nehmen zu: Frauen sind laut WHO 2‑mal so häufig von Depressionen betroffen wie Männer⁴ – häufig als Folge chronischer Überforderung.
- Teilzeit und Altersarmut: Der hohe Anteil von Frauen in Teilzeitjobs (2023: 47 % der erwerbstätigen Frauen, vs. 11 % bei Männern⁸) führt langfristig zu geringerer Rente – ein gesundheitlicher Risikofaktor im Alter.
“Ich vertrete deshalb die Ansicht, dass wir eine Welt, die für alle funktionieren soll, nicht ohne Frauen entwerfen können.”
Caroline Criado-Perez
Wie kann eine geschlechtersensible und gesundheitserhaltende Arbeitskultur aussehen?
Eine zukunftsorientierte, faire Arbeitswelt erkennt: Gesundheit ist kein geschlechtsneutraler Zustand. Unternehmen können gezielt Strukturen schaffen, die Unterschiede nicht ignorieren, sondern berücksichtigen:
Gesundheitsmanagement differenzieren
- Zyklusbewusste Gesundheitsangebote integrieren
- Sensibilisierung für Wechseljahre, hormonelle Erkrankungen, mentale Gesundheit
- Zugang zu frauenspezifischer Prävention stärken
Führungskräfte sensibilisieren
- Schulungen für gendersensible Kommunikation und Belastungswahrnehmung
- Frühzeitige Erkennung gesundheitlicher Risiken durch offene Gesprächskultur
Flexibilität ermöglichen
- Individuelle Arbeitszeitmodelle, Homeoffice und Vertrauensarbeitszeit
- Unterstützung bei Care-Aufgaben durch bezahlte Freistellung oder Kooperationen mit Betreuungsdiensten
Faire Bezahlung & Karrierechancen
- Transparente Gehaltsstrukturen und objektive Beförderungskriterien
- Mentoring-Programme für Frauen in Führungspositionen
Datengrundlagen schaffen
- Regelmäßige Erhebung geschlechtsspezifischer Gesundheits- und Belastungsdaten (z. B. durch Mitarbeiterbefragungen)
- Monitoring von Krankheitstagen, Teilzeitquoten und Care-Verpflichtungen
Frauengesundheit ist kein Nischenthema – sondern ein zentraler Erfolgsfaktor für moderne Unternehmen. Wer eine gesunde, diverse und leistungsfähige Belegschaft will, muss auch strukturelle Ungleichgewichte im Blick haben und Bereitschaft zeigen, diese aufzubrechen.
Eine geschlechtersensible Arbeitskultur ist nicht nur fair – sie ist wirtschaftlich klug, gesundheitsfördernd und zukunftsfähig.
² DAK-Gesundheitsreport 2023 – www.dak.de
³ WHO: Endometriosis Fact Sheet – www.who.int
⁴ WHO: Depression – www.who.int
⁵ Statistisches Bundesamt (2024): Gender Pay Gap – www.destatis.de
⁶ BMFSFJ: Gender Care Gap –Indikator für die Gleichstellung – BMBFSFJ
⁷ AOK-Gesundheitsreport 2023 – www.wido.de
⁸ OECD Gender Data Portal – www.oecd.org/gender/data
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