Pflege – ein kleines Dossier für ein großes Thema

Von |2018-12-12T22:09:09+01:0011 Okt, 2018|Aktuelles aus der Politik, Gesundheitsmanagement, Pflege, Unternehmen|

Das Pflegesystem steht gerade auf dem Prüfstand, denn es ist – wie viele Bewohner dieses Landes – in die Jahre gekommen. Veränderungen müssen her; einige sind bereits in Mache. Die Umsetzung geht mit einer neuen Betrachtungsweise und Begrifflichkeit von Pflegebedürftigkeit einher. Und sie bringt eine neue Notwendigkeit mit: Das System braucht gleichermaßen Kernsanierung wie Face-Lifting; also neu Gedachtes aus dem Innern und neues Wirken nach außen. Letzteres heißt Neudeutsch auch Image.

Wo stemmen welche Schultern die Pflege?
„Was schulden wir unseren Eltern?“, fragt FAZ-Redakteurin Anna Steiner mit Blick auf die moralische Verantwortung rund um Pflege. Ihre Frage beruht auf der gesellschaftlichen Moralvorstellung. Der Generationenvertrag regelt zwar die Rente: Das heißt, dass das gesellschaftliche System dafür sorgt, dass Kinder hierzulande erst reifen, später ihre Arbeit wählen und als Arbeitnehmer die Versorgung der Rentner übernehmen (dürfen); sie zahlen also – wenn auch indirekt – für die Eltern mit. Die Pflege, so das Credo der Redakteurin, regele der Generationenvertrag indes nicht. Kinder müssen ihre Eltern nicht pflegen. Sie müssen zwar finanziell dafür aufkommen, sollten die Pflegebedürftigen dazu selbst nicht in der Lage sein. Die Wahl, ob sie weiter in ihren eigenen vier Wänden leben und dort gepflegt werden dürfen, oder, ob sie in ein Pflegeheim umziehen müssten, sei aber eben auch eine emotional-moralische Entscheidung. Und eben auch eine gesellschaftlich-finanzielle:

„Bei Pflegegrad 2 gibt der Staat monatlich 770 Euro, wenn die Pflegebedürftigen in Heimen gepflegt werden. Die Pflege zu Hause kommt die Versichertengemeinschaft mit 316 Euro im Monat deutlich billiger“, konstatiert sie. Ohne häusliche Pflege würde das System aus Sicht von Steiner zusammenbrechen. Sie geht sogar noch weiter: Das Pflegesystem „funktioniert nur, weil drei Viertel der Pflegebedürftigen derzeit zu Hause versorgt werden.“
Zum gesamten Artikel.

Deutschland ist Land des langen Lebens: Zukünftig wird jeder Achte Ü-80 sein
Deutschland ist ein Land des langen Lebens. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schlägt sich das lange Leben – das Altwerden – besonders in den Zahlen der Hochbetagten nieder. Ein Vergleich: Während 2008 noch vier Millionen 80-Jährige und Ältere in Deutschland lebten und fünf Prozent der Bevölkerung entsprach, werden es Prognosen zufolge im Jahr 2050 fast zehn Millionen sein. Dann werden etwa 13 Prozent der Bevölkerung 80 Jahre und älter sein. Oder anders formuliert: Jeder Achte wird Ü-80 sein.

Eigene Darstellung (Quelle: Ratgeber Pflege des Bundesministeriums für Gesundheit, Statistisches Bundesamt 2017: Pflegestatistik 2015).

Lebenserwartung steigt und bringt Silver Society
Gleichzeitig nimmt die Lebenserwartung immer weiter zu: Der „Ratgeber Pflege“ des Bundesministeriums für Gesundheit prognostiziert, dass ein heute sieben Jahre altes Mädchen gute Chancen habe, das 22. Jahrhundert zu erleben. Wie kommt es, dass wir immer älter werden (können)? Die Autoren des Zukunftsinstituts schreiben in der Health-Trends-Studie „Gesundes Leben für die Zukunft“, dass „die steigenden Investitionen in Gesundheit Früchte tragen und sich in einer globalen Gesundheitstendenz wiederspiegeln“ würden.

Gesundheit sei demnach ein wichtiger Treiber für den Megatrend namens Silver Society: Die Menschheit werde im Schnitt immer älter. Das heißt: Es gibt laut eben dieser Studie anteilig immer mehr Ältere in der Weltbevölkerung. Das liege nicht nur an der besseren Gesundheit im Alter, sondern auch daran, dass Menschen in Ländern mit hoher Lebenserwartung weniger Kinder bekämen.

Künftig werden mehr Ältere gesund sein
Das Mehr an Lebensjahren werde laut Health-Trend-Studie künftig auch ein Mehr an gesund verbrachten Lebensjahren bedeuten.  So werde es zwar in Zukunft aufgrund der neuen Altersstruktur in der deutschen Bevölkerung mehr Pflegebedürftige geben als heute, jedoch werde der Effekt durch eine Verschiebung der typischen Alterserkrankungen in die höheren Lebensjahre abgemildert.

Alterserkrankungen und Multimorbidität
Der menschliche Organismus wird jedoch mit zunehmendem Alter – dennoch – auch anfälliger für Krankheiten, die manchmal auch chronisch werden können. Der Begriff Multimorbidität kommt mit dem Älterwerden. Er bedeutet – grob übersetzt – Mehrfacherkrankung. Und auch das ist typisch für das Älterwerden. Das heißt, dass ein Mensch gleichzeitig von mehreren Erkrankungen betroffen sein kann. Demenz-Erkrankungen wie Alzheimer können beispielsweise mit Schmerzen, Parkinson, Infektionen oder Inkontinenz einhergehen. Zudem können aus bestimmten Krankheiten wiederum andere entstehen:  bestimmte Demenzen können Folge einer Gefäßerkrankung sein; aber auch ein Diabetes kann den Verlauf ungünstig beeinflussen. Und meist gilt: Je mehr Erkrankungen, desto mehr Medikamente, die wiederum Nebenwirkungen mit sich bringen können.

Pflege wird zur Chefsache in Deutschland
Ab dem 80. Lebensjahr steigt die statistische Wahrscheinlichkeit, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, auf rund 32 Prozent. Und da in Deutschland in naher Zukunft jeder Achte Ü-80 sein wird, ist die Pflege in Deutschland sozusagen Chefsache geworden. Das Bundesministerium für Gesundheit arbeitet nach eigenen Angaben an konkreten Verbesserungen für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und Pflegepersonal. Zu ihnen zählen:

  1. Mehr Unterstützung für Pflegebedürftige & Angehörige (Pflegestärkungsgesetze)
  2. Ausbildung verbessern (Pflegeberufegesetz)
  3. Stellen schaffen (Sofortprogramm Pflege / Anmerkung der Redaktion: Hierzu zählt auch das
    Pflegepersonalstärkungsgesetz)
  4. Stellen besetzen (Konzertierte Aktion Pflege)
  5. Standards definieren (Personaluntergrenzen)

Pflegestärkungsgesetze für Pflegebedürftige, neue Rollen und Ressourcen
Das Bundesministerium für Gesundheit will den pflegebedürftigen Menschen in Deutschland mit den sogenannten Pflegestärkungsgesetzen mehr Unterstützung geben. Gerade an Demenz erkrankte Menschen sollen mit dem Jahresbeginn 2018 einen gleichberechtigten Zugang zu allen Leistungen der Pflegeversicherung erhalten. Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, der mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz eingeführt wurde und seit 2017 gilt, verschwindet die unterschiedliche Behandlung von körperlich bedingten Beeinträchtigungen auf der einen Seite und geistig beziehungsweise seelisch bedingten Beeinträchtigungen auf der anderen. Bezog sich Pflegebedürftigkeit bis dahin vor allem auf körperlich bedingte Beeinträchtigungen, sollten so jetzt auch geistige und psychisch bedingte Beeinträchtigungen stärker berücksichtigt werden.
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Grundsätzlich gilt, dass nicht professionell ausgebildete (pflegende oder sich kümmernde) Angehörige vermehrt in neue Rollen wachsen müssen. Deren Ressourcen und deren Stärkung kommt ebenso eine große Bedeutung zu; ebenso der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.

Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals, neues Image und neue Schritte
Am 1. August 2018 wurde der Gesetzentwurf zur Stärkung des Pflegepersonals vom Kabinett beschlossen. Mit dem entsprechenden Sofortprogramm Pflege. Damit sollen nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit spürbare Verbesserungen im Alltag der Pflegekräfte durch eine bessere Personalausstattung und bessere Arbeitsbedingungen in der Kranken- und Altenpflege erreicht werden. Der Gesetzentwurf sei ein wichtiger Schritt, um die Pflege und Betreuung der Patienten und Pflegebedürftigen weiter zu verbessern. Er beinhaltet diese drei Aspekte:

  1. Pflege im Krankenhaus
  2. Pflege in Pflegeeinrichtungen
  3. Steigerung der Attraktivität von Kranken- und Altenpflege

Was bemängelt und was belobt der Altenpfleger Ferdi Cebi derzeit an seinem Berufsstand?
Ferdi Cebi ist Altenpfleger in einem Altenheim Paderborns. Als Cebi vor einigen Monaten vor der Bundestagswahl als Gast im Zuschauerraum der Wahlkampfsendung „Klartext, Frau Merkel“ das Wort ergreift, erläutert er der CDU-Spitzenkandidatin, woran es in seinem Berufsstand mangelt.

Laut Cebi brauche es

  • einen besseren Lohn,
  • bessere Arbeitszeiten,
  • eine Mindestzahl an Personal auf den Stationen.

Möglicherweise hat er nicht geahnt, dass sein Auftritt zur Folge haben würde, dass ihn Angela Merkel nach der Wahl im Juli 2018 wie versprochen ebendort besucht; zwar nachmittags statt vormittags, wenn es wuseliger im Heim ist. Aber sie kommt.

Die Berliner Zeitung schreibt, dass Cebi in seinem Alltag vor allem der Personalmangel umtreibe.  Schon jetzt, so schreibt die Zeitung, seien in der Alten- und Krankenpflege deutschlandweit mehr als 25.000 Fachkraftstellen nicht besetzt. Zudem fehlen rund 10.000 Hilfskräfte.
Immerhin: Durch den vom Kabinett beschlossenen Gesetzentwurf zur Stärkung des Pflegepersonals sollen ab Januar 2019 13.000 Pflegekräfte in stationären Pflegeeinrichtungen neu eingestellt werden.

Was wird für den Berufsstand Pflege getan?
„Für uns sind die Fragen, die Menschen im Alter bewegen, von besonderer Bedeutung”, betont die Kanzlerin bei der Sommerpressekonferenz. Durch die „Konzertierte Aktion Pflege” sollen Arbeitsbedingungen und Personalausstattung verbessert, die Ausbildung für Pflegeberufe attraktiver werden.
Anfang Juli 2018 ist die Bundesregierung die Kernsanierung des Pflegesystems angegangen: Dazu arbeiten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Franziska Giffey und Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil zusammen – unter anderem bringen beteiligte Akteure an einen Tisch: Pflegeberufs- und Pflegeberufsausbildungsverbände, Verbände der Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser, die Kirchen, Pflege- und Krankenkassen, Betroffenenverbände, die Berufsgenossenschaft, die Bundesagentur für Arbeit sowie die Sozialpartner. Sie sollen gemeinsam mit Bund und Ländern konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der beruflich Pflegenden entwickeln und deren Umsetzung verbindlich festhalten. Die Maßnahmen sollen binnen eines Jahres gemeinsam mit weiteren Expertinnen und Experten in einem Dachgremium und fünf themenbezogenen Arbeitsgruppen entwickelt werden.

Im Juli 2019 sollten wir also bei Ferdi Cebi einmal nachfragen, was sich bei ihm, seinen Kolleginnen und Kollegen und beim Nachwuchs – auch beim Image – getan hat. Interessant wäre auch, ob er mehr Zeit für Gespräche mit den Heimbewohnern gewonnen hat. Diese Zeit für Gespräche seien Berichterstattungen zufolge nämlich sein eigentlicher Antrieb, seinen Beruf sehr gerne auszuüben. Authentisch zu leben ist – auch fürs Image – unbezahlbar.

(Artikel: Pflege – ein kleines Dossier für ein großes Thema)

Einstiegsgehalt Altenpfleger

Stand: September 2018

Staat (Tarifvertrag Öffentlicher Dienst): 2635 brutto
Wohlfahrtsverbände: (z.B. Tarifvertrag ÖD Rotes Kreuz): 2325 brutto
Quelle: www.ausbildung.de

Ich heiße Wibke Roth. Und ich arbeite am liebsten schreibend und schwitzend – in die Tasten hauend und als Fitness-Trainerin. Man könnte auch schreiben: Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich andere in Bewegung bringe, erlebe ich sie. Meistens bewege ich mich übrigens mit. Ich kann nicht anders. Manchmal gerate ich jedoch auch beim Schreiben ins Schwitzen: je nach Temperatur, Thema und Terminfrist. Wenn mein Sportsgeist außer Atem kommt, haue ich auch gerne einfach `mal ab – in die Berge, ans Meer oder in den Wald. Wenn davon nichts in Sicht ist, haue ich mich einfach aufs Ohr. Das ist sehr gesund und besser als draufloszuhauen – also wild schreiend; dann doch lieber schreibend in die Tasten.

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