Fett hat viele Facetten: von weißem und braunem, seine Verbindung zu Diabetes und Dicken, die einfach nicht ins Raster passen

Die einen passen leichter in ihre Skinny-Jeans, bei anderen quillt der Speck trotz Disziplin heraus. Wieso gibt es diese Ungerechtigkeit? Und wieso genau hier auch eine Hoffnung im Kampf gegen Diabetes zu liegen scheint, erfahren Sie in unserem neuen Beitrag. Unser Ernährungsexperte Patrik Bertsch hat mit Hüftspeck keine Probleme. Und er sieht in Fett mehr als Wabbel.

Als Sylvia Tara erkannte, dass sie trotz eingehaltener Leitlinien schneller aus ihrer Skinny-Jeans quillte als ihre gleichaltrige Kollegin, nahm sie die Forscherzügel wieder in die Hand: Die US-amerikanische Biochemikerin mit Doktortitel der University of California machte sich erneut auf den Weg in die Welt der Wissenschaft; getrieben von der Ungerechtigkeit, dass ihr metabolisches Programm ihr trotz Ernährungssachkenntnis und Disziplin beim Essen und Sportprogramm permanent den Mittelfinger zeigte. Zum Vergleich: Der Stoffwechsel einer zierlichen Kollegin – ebenso Mutter und Karrierefrau – belohnt sie, ohne dass diese dafür etwas zu tun scheint. Stress scheint auch nicht das Zünglein an der Waage zu sein: Die zierliche Kollegin arbeitet genauso viel, treibt auch Sport, schlemmt beim Feierabend jedoch: statt Kalorien zu zählen isst sie spät am Abend gerne einen großen Burrito mit Fleischstreifen, Bohnen, Cheddarkäse und Bier. Daraufhin will sie „Fett verstehen und schlank werden“ und schreibt das gleichnamige Buch.

In dem Buch zeigt sie Zusammenhänge auf und teilt ihrer Erkenntnisse um ihre Faszination für das „unterschätzte Organ“. Leser erfahren unter anderem

  • wie Fett mit dem Stoffwechsel kommuniziert,
  • dass es eben nicht nur am Essen liegt, wenn Menschen dick werden,
  • welche Auswirkungen Fett auf Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes hat.

Grob gesagt und bekannt ist, dass Fett den Hormonhaushalt steuert. „Inzwischen ist erwiesen, dass Fett nicht nur mit unserem Gehirn, sondern auch mit unserem Immunsystem interagiert. Diese Beziehung ist nützlich, wenn wir uns schneiden (…), weil Fett dann auch Immunzellen zu Hilfe holen kann“, schreibt die Autorin. Und sie ergänzt: „Doch wenn Fett unser Immunsystem stetig aktiviert, kann dies zu Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes führen.“

Unersetzlich: Fett ist genauso wichtig für den Körper wie andere Organe

„Neuere Forschungen beweisen mittlerweile, dass Fett Teil des endokrinen Systems ist. Wissenschaftler bezeichnen es seit Langem als sekretorisches Organ“, sagt Patrik Bertsch. Der Leiter der Region West beim Team Gesundheit hat zu Beginn seiner Karriere Oecotrophologie studiert. Themen rund um Ernährung und den menschlichen Stoffwechsel interessieren ihn nach wie vor. So auch

  • Hoffnungen in Bezug auf beiges Fett bzw. die Möglichkeiten zur Umgestaltung von weißem in braunes Fett; und, dass
  • Bewegung und Muskelkraft der Schlüssel – so die Conclusio in dem Buch – unabhängig von genetischen Nachteilen bleiben.

Fett kann Energie speichern und verwalten, Wärme erzeugen, Organe als Isolierschicht schützen und eben als Botenstoff für das Immunsystem fungieren. Die Funktion kann man auch anhand der Farbe erkennen:

  • Weißes Fett übernimmt die Energiespeicherung
  • Braunes Fett verbrennt Energie, um Wärme zu produzieren.

Das braune Fett, von dem man lange Zeit dachte, dass es nur bei Babys vorkommt, macht grob gesagt klar, warum es dem einen Menschen leichter fällt, in die Skinny zu schlüpfen, als dem anderen: Die Farbe des braunen Fetts kommt von der hohen Mitochondrien-Dichte. Mitochondrien sind Organellen, die wie körpereigene Kraftwerke arbeiten. Das braune Fett, das im Nacken, Rücken und Herz zu finden ist, kann Wärme durch das Protein namens Thermogenin produzieren.

Gutes Fett und böses Fett

Patrik Bertsch nennt jeweils ein Beispiel für positive Wirkungen und eines für negative:

1) „Wenn Sie dem Körper signalisieren, dass Sie Kraft brauchen, reagiert er, indem er Energie aus anderen Geweben wie Fett abzieht und zu Knochen und Muskeln hinlenkt.“

2) „Wenn Sie sich jedoch nicht bewegen, sammelt sich Fett in der Bauchhöhle und schadet. Bewegung hilft, dieses Fett in die subkutane Schicht zu leiten.“

Das Beispiel der Sumoringer aus dem Buch zeigt, warum es nicht das Übergewicht selbst ist, das zwangsläufig krank macht: Sumoringer essen übermäßig viel, um übergewichtig zu sein. Solange sie trainieren, bleiben sie gesund.

Sozusagen zwischen weißem und braunem Fett gibt es noch eine weitere Fettfarbe: beige. Grob gesagt handelt es sich dabei um ein Transformationsgewebe. Während sportlicher Betätigung wird ein Hormon namens Irisin produziert, mit dem eine Botschaft zu diesem beigen Fett gelangt, so dass dieses schließlich in braunes umwandelt. Interessant wäre ja, ob sich dies auch mittels Manipulation beeinflussen ließe. Zum Beispiel im Kampf gegen die Volkskrankheit Diabetes, da braunes Fett auch die Blutwerte beeinflusst.

Braunes Fett gegen Diabetes?

Ein NDR-Beitrag geht genau dieser Frage auf den Grund, und zwar inwieweit die Umwandlung durch Kälte aktiviert werden kann. An der Universität Lübeck trugen junge Versuchspersonen dazu einen Kälteanzug, um ihr braunes Fett zu aktivieren. Bei einer Temperatur zwischen 16 bis 18 Grad werde laut dieses Beitrags braunes Fettgewebe aktiviert; die Muskeln blieben indes ruhig. Das Ergebnis lässt hoffen: Eine anschließende Blutprobe zeigte, dass die Insulinsensitivität der Probanden um ein Fünftel gestiegen war. Sie brauchten also deutlich weniger Insulin, um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Die Forscher hoffen nun, den Effekt für Menschen mit Diabetes nutzbar zu machen.

Eine Studie, auf die im Beitrag verwiesen wird, ist diese: https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa0808718

Patrik Bertsch – Diplom-Oecotrophologe und Leitung Region West beim Team Gesundheit



Patrik Bertsch ist 1985 in Köln geboren. Der Leiter der Region West arbeitet seit Oktober 2017 bei der Team Gesundheit. Er hat zu Beginn seiner Karriere Oecotrophologie an der Hochschule Niederrhein studiert und mit Diplom abgeschlossen. Nach dem Studium beriet er viele nationale und internationale Leistungssportler in puncto leistungsstarker Ernährung auf ihrem Weg zu den olympischen Spielen.  Parallel hält er Vorträge und führt Workshops in Unternehmen rundum das Thema Gesundheit und Ernährung im Berufsalltag durch. Im privaten Kontext treibt er regelmäßig Sport, läuft Langstrecke und nimmt ab und zu an einem Triathlon teil. Die Themen Ernährung und Gesundheit nehmen somit eine zentrale Rolle in seinem Leben ein.

Ich heiße Wibke Roth. Und ich arbeite am liebsten schreibend und schwitzend – in die Tasten hauend und als Fitness-Trainerin. Man könnte auch schreiben: Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich andere in Bewegung bringe, erlebe ich sie. Meistens bewege ich mich übrigens mit. Ich kann nicht anders. Manchmal gerate ich jedoch auch beim Schreiben ins Schwitzen: je nach Temperatur, Thema und Terminfrist. Wenn mein Sportsgeist außer Atem kommt, haue ich auch gerne einfach `mal ab – in die Berge, ans Meer oder in den Wald. Wenn davon nichts in Sicht ist, haue ich mich einfach aufs Ohr. Das ist sehr gesund und besser als draufloszuhauen – also wild schreiend; dann doch lieber schreibend in die Tasten.

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