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Corona and me: Teil 3 mit Altenpfleger Ferdi Cebi

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Corona scheint hierzu­lande irgendwie ausge­tra­gen. Anders als bei normalen Geburten wissen wir zwar noch nicht, ob und wann uns das Covid-19-Wesen noch einmal in Atem halten wird – eine Schein­schwan­ger­schaft war die hierzu­lande währende drei Monate lange Herrschaft trotzdem nicht: Das was gesell­schaft­lich entstan­den ist, hat uns verändert. Wie, dazu hat im ersten Teil Team-Gesundheit-Geschäftsführer Carsten Stephan die ersten vier Wochen in seinen Worten skizziert, dann folgte mein Drauf­blick als Zeitzeu­gin, nun übernimmt der bekannte Alten­pfle­ger Ferdi Cebi im – hoffent­lich – letzten Drittel mit seiner Sicht als Pflege­fach­kraft und Social-Manager.

Herr Cebi, Neusee­land hat vergan­gene Woche gemeldet, dass es frei von Corona ist – als erstes Land weltweit. Wie sah es in den vergan­ge­nen elf Wochen bei Ihnen beruflich und privat in Paderborn aus?

Ferdi Cebi: Anfangs hatte ich Angst, weil ich nicht wusste, was auf uns zu kommt. Dann hat sich die Angst mehr verlagert: auf die Sorge andere anzuste­cken – also die Risiko­grup­pen. Da zählen ja unsere Heimbe­woh­ner zu. Aber auch meine Partnerin.

Wie sah der Alltag bei Ihnen aus? Hatten Sie Corona-Patienten in Ihrer Alten­pfle­ge­ein­rich­tung?

Ferdi Cebi: Nein. Zum Glück nicht. Mögli­cher­weise auch, weil wir uns stark an die strikten Auflagen gehalten haben: also so wenig Kontakt wie nötig, mehr Desin­fek­tion, der Mund-Nasen-Schutz und so weiter. Wir sind privat zuhause geblieben. Umarmun­gen gab es nur zwischen meiner Partnerin, meinen Kindern und mir. Im Pflege­all­tag gibt es so eine Nähe ja nicht. Und dann kam ja die Kontakt­sperre: Angehö­rige durften ihre Angehö­ri­gen ja nicht mehr besuchen. Das war schon nicht leicht für unsere Bewohner.

Was war besonders schwierig, was lief gut?

Ferdi Cebi: Dass die Menschen keinen Kontakt hatten, hat uns veran­lasst, andere Wege zu suchen. Dadurch sind wir irgendwie mehr zusam­men­ge­rückt. Wir – also meine Kollegen, die Bewohner und ich – verstehen uns ja schon als Familie. Damit sie den Kontakt zu ihren Angehö­ri­gen dennoch halten konnten, haben wir Facetime-Slots für sie einge­rich­tet. Das lief ganz gut.

Was bedeutete das für Sie? Mussten Sie da Zeiten mit im Auge behalten?

Ferdi Cebi: Ja. In der Tat kam es zu Situa­tio­nen, in denen der Besuch beim Arzt für den ein oder anderen fast mit dem Facetime-Telefonat kolli­diert ist. Wir haben dafür gesorgt, dass das trotzdem klappt. Da ist man natürlich auch mal 15 Minuten länger arbeiten gewesen. Das haben wir aber gerne gemacht.

Sie waren also auch eine Art Social-Manager?

Ferdi Cebi: Ja. Das kann man so sagen.

Zum Tag der Arbeit hieß es, dass Pflege­kräfte mehr Geld bekommen sollen statt brotlosem Applaus: Haben Sie davon etwas abbekom­men?

Ferdi Cebi: Es heißt, dass wir auf Antrag einmalig 1.000 Euro von der Pflege­ver­si­che­rung und im Juli dieses Jahres 500 Euro Bonus von Bund und Ländern bekommen sollen. Das glaube ich beides aber erst, wenn das Geld auf meinem Konto angekom­men ist. Und ich finde auch, dass nicht nur wir Alten­pfle­ger dieses Geld bekommen sollen. Andere für das System relevante Berufe wie Kranken­haus­pfle­ge­kräfte sollten das selbst­ver­ständ­lich auch bekommen. Die haben doch noch viel mehr geleistet als wir.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Cebi.

Nachdem ich mit Ferdi Cebi gezoomt habe, ist mir klar geworden, dass eben doch vieles eine Frage der Sicht­weise ist. Nicht alle Menschen haben sich Angst und Bange machen lassen. Mit einer positiven Einstel­lung war es ihm aller Bericht­erstat­tung, Statis­ti­ken und Auflagen zum Trotz möglich, durch und mit Herzblut diese Zeit erfolg­reich zu meistern. Wie es gewesen wäre, wenn es in Cebis Wirkstätte doch eine/-n Bewohner/-in mit Covid-19 gegeben hätte: man weiß es nicht. Darum geht es meiner Meinung aber auch nicht. Er hat sich im Sinne der Bewohner/-innen und – mit Blick auf Gerech­tig­keit – auch im Sinne seiner Kollegen/-innen in Kranken­häu­sern auf das konzen­triert, was uns alle – auch in ungewis­sen Zeiten – verbinden und allen weiter­hel­fen kann: Mitgefühl.

Wibke Roth

Ich heiße Wibke Roth.  Und ich arbeite am liebsten schreibend und schwitzend – in die Tasten hauend und als Fitness-Trainerin. Man könnte auch schreiben: Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich andere in Bewegung bringe, erlebe ich sie. Meistens bewege ich mich übrigens mit. Ich kann nicht anders. Manchmal gerate ich jedoch auch beim Schreiben ins Schwitzen: je nach Temperatur, Thema und Terminfrist. Wenn mein Sportsgeist außer Atem kommt, haue ich auch gerne einfach `mal ab – in die Berge, ans Meer oder in den Wald. Wenn davon nichts in Sicht ist, haue ich mich einfach aufs Ohr. Das ist sehr gesund und besser als draufloszuhauen – also wild schreiend; dann doch lieber schreibend in die Tasten.

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